Parallel zu diesem Gütersloher C64 Spiel, entstand in Köln ein zweiter Shooter namens Neutralizer für den Amiga. Dessen Ursprung reichte zum Austausch von „Sicherheitskopien“ zwischen Lutz Osterkorn und Willi Bäcker zurück. Während sich deren Interesse vom C64 auf den Commodore Amiga verlagerte, stieß ebenso Achim Moller zur neuen schlagkräftigen Light Circle Gruppe Radwars. Angetrieben von der eher spärlichen Spielpalette des 16-Bit Multimedia-Computers, besuchten Achim, Lutz und Willi Anfang März 1987 die CeBit. Ihre Hoffnung, dort neue Amiga-Spiele aufzutun, verpuffte jedoch jämmerlich. Dafür bewunderten sie NECs Präsentation der PC Engine, einschließlich deren erstem R-Type Prototypen. Auf der folgenden Heimfahrt beschloss das Trio, sich selbst an der Programmierung eines solchen Shoot’em ups zu versuchen. Denn wenn die PC Engine das vollbrachte, sollte es der technisch ausgereiftere Amiga genauso leisten können. Dank ihren bereits bestehenden Kenntnissen aus der Cracker- und Demo-Szene, sollte der Ansatz zu einem gelungenen Prototypen anwachsen. Mit diesem Vorhaben fuhren die Schüler bereits am nächsten Morgen in eine Kölner Spielhalle und fotografierte während des Zockens von R-Type sämtliche Level-Elemente des Irem Schooters.
Radwar gestaltete ihre damaligen Cracker-Parties gewissermaßen mit Wettbewerben. Von denen der Folgende R-Type Klone zum Thema machte. Besagte Version des Light Circle Trios bestach zu der Zeit durch flüssige 50 FPS, während Doctor Byte’s R-Type Klon optisch vielleicht einen Tick besser aussah, aber lediglich 25 FPS vorwies. Ein entscheidender Faktor, für die folgende Geschichte, denn Doctor Byte hieß im richtigen Leben Teut Weidemann und wechselte zu der Zeit die Seiten. Durch seine Grafiken sowie der Level-Design Arbeiten an Sarcophaser, stieg Teut parallel zum Entwickler von Rainbow Arts auf. In den folgenden Jahren würde er Cracker, oder besser gesagt Raubkopierer, bekämpfen und diese offizielle Position sogar vor laufender Kamera im deutschen Fernsehen (WDR) verteidigen. Wie auch immer, resultierte seine frühere Verbindung zu Radwar, in einer Vertragsunterzeichnung des fortan Factor 3, an Stelle von Light Circle, bezeichneten Schülertrios mit Rainbow Arts. Denn zur Vermarktung von Manfreds Katakis entschieden Teut und Marc Neutralizer offiziell zur Amiga Fassung von Katakis zu machen. Das obwohl Neutralizer eher R-Type, als dem C64 Shooter glich.
Besonders die C64 Fassung Katakis heimste beim Sommer 1988 Erscheinen Spitzenwertungen ein. Das 64’er Magazin, was Manfred zur Entwicklerkarriere verhalf, vergab die bis dahin höchste Wertung überhaupt für ein Computerspiel. Ohne Katakis schmälern zu wollen, sollte erwähnt werden, dass sich die Shooter-Konkurrenz auf dem C64 bis dahin jedoch auf Delta beschränkte. Wie dem auch sei, führte es zu einer grandiosen Zusammenarbeit Manfreds mit dem Magazin. Er veröffentlichte nachträglich das komplette Entwicklungssystem des Spiels in einer der Zeitschriftenausgaben. Begeisterte Gamer konnten sich so eigene Level uvm. für Katakis basteln.
Entgegen Rainbow Arts, lizenzierte Mediagenic 1988 R-Type für Nordamerika und Europa. Zum besseren Verständnis sollte erwähnt werden, dass wir in diesem Zusammenhang eigentlich von Activision sprechen. Dank deren grandiosen damaligen Geschäftsführer, Bruce Davis, versuchten sie sich von 1988 an vorübergehend als Mediagenic, um ihr angestrebtes Heimcomputer-Publikum besser zu repräsentieren. Ein kläglicher Versuch, der ähnlich schlecht lief wie deren bei Catalyst Coders in Auftrag gegebene C64 Konvertierung R-Types. Denn David Jolliff und James Smart gelang es im geforderten dreimonatigen Portierungsfenster nicht, die Sprite-Flut des Irem Schooters auf dem C64 zu bannen. Da Bruce seine Karriere jedoch als Anwalt für geistiges Eigentum begann, verklagte er, passend zu den eigenen Portierungen, sämtliche Firmen, die R-Type Klone anfertigten. Zu den fünf glücklichen Empfängern dieser Unterlassungserklärungen zählte somit ebenfalls Rainbow Arts bzw. deren Publisher Softgold. Entgegen Softgolds im selben Jahr ausgetragenen Rechtsstreit mit Nintendo um Giana Sisters, einigten sie sich mit Mediagenic darauf, als Entschädigung die offiziellen C64 sowie Amiga Portierungen R-Types pünktlich zum Weihnachtsgeschäft abzuliefern. Ein Angebot, was beide Publisher befriedigte. Auch wenn es für die angeschlossenen Entwicklerteams die Ehre der ersten offiziellen Konvertierung bedeutete, resultierte es in einem enormen Arbeitsaufwand.
Was Rainbow Arts internes Entwicklerteam betraf, konnten sie große Teile der Programmierung ihres Katakis übernehmen. Wodurch Manfred Andreas bei den Grafiken unter die Arme griff. Den Original-Automaten direkt im Büro zu haben, half dem Duo ebenfalls sehr. Dennoch wurde es ab Level 7 schwieriger, weil die Beiden zunächst bis dahin spielen mussten, um die Level-Vorlagen sichten zu können. Da sie zusätzlich das bereits bestehende R-Type Titelbild von Catalyst Coders Mark Jones verwenden konnten, gelang es Andreas und Manfred diese C64 Version R-Types in knapp sieben Wochen zu vollenden. Das Rainbow Arts Gespann legte sogar noch eine Demo-Version für die November Ausgabe von Computer & Video Games drauf.
Das zwischenzeitlich auf fünf Mann angewachsene und somit Factor 5 genannte Kölner Team zog den Kürzeren. Denn entgegen Manfred und Andreas war Neutralizer durchweg ein Hobbyprojekt gewesen, das sie neben der Schule betrieben. Programmierer Achim Moller steckte zu der Zeit beispielsweise mitten im Abitur. Entsprechend musste die R-Type Amiga Fassung genauso nebenher laufen. Ein Umstand, durch den Factor 5 zweieinhalb Monate zur Vollendung R-Types brauchte.
Eine wahre Wonne wurden Mediagenics Forderungen hingegen für Rainbow Arts Musikerduo Ramiro Vaca und Chris Hülsbeck. Einwöchige Zeitspannen für einen kompletten Game-Soundtrack waren für sie an der Tagesordnung. Während Ramiro den Großteil der C64 Ingame Musik komponierte, wurde Chris die Ehre der Titelmelodien zu Teil. Denn so merkwürdig es klingen mag, verfügte der Original-Automat über keine direkte Titelmelodie. Wodurch Chris nachträglich das offizielle Theme des Spiels schrieb. Bereits für die erste C64 Fassung von Katakis manipulierte Chris die Lautstärkeregister so, dass gewissermaßen eine vierte Musikspur entstand. Für R-Type schrieb er dann ein komplett neues TFMX getauftes System basierend auf Sound Makros. Dank diesem Tool holten Ramiro und er für die C64 Musik das Maximum aus dem Brotkasten heraus und komponierten einen Hollywood-artigen Filmsoundtrack.
Da Neutralizers ursprünglicher Soundtrack auf Darius Zendeh zurück ging und er die meiste Ingame Musik R-Types schrieb, wurde die Amiga Titelmelodie des Irem Shooters Chris erster Amiga Song. Zufälligerweise erwarb er einige Wochen zuvor eine Korg M1 Workstation. Da er die große Commodore Multimedia-Maschine bereits Samples nutzte, übernahm Chris viele Patches seines Synthesizers in eine gänzlich neue Amiga Titelmelodie.
Dank diesen Spitzenleistungen der Teams durfte Katakis unabhängig von R-Type auf dem Markt bleiben. Obwohl sie es für den europäischen Markt in Denaris umbenennen mussten. Factor 5 spendierte dieser später ausgelieferten Amiga Fassung sogar einen zusätzlichen Level.