In jungen Jahren gab Sophias Mutter sie in die Obhut von Nonnen. Denn mit der Erkenntnis, sich fälschlicherweise in einen Verbrecher verliebt zu haben, konnte die Adelsdame nicht leben. Doch statt dem jungen Mädchen die vermeintlich kriminellen Gedanken ihres Vaters auszutreiben, injizierten die Nonnen sie mit Macula versetztem Blut. Denn besagtes Kloster unterstand dem Orden. Mit jeder Injektion der schwarze Flüssigkeit ereilten Sophia Visionen, einer Zeit lange vor Christi Geburt. Das Blut verband sie indirekt mit Asterion, dem ersten bekannten Träger der Prima Macula. Durch seine Erinnerungen erkundete Sophia den Feuerroten Palast König Minos, dem Sohn Zeus. Dort auf Kreta, hielt Minos seiner Zeit Prüfungen ab. Herausforderer aus allen Palaststaaten Griechenlands versuchten sich in Wettkämpfen gegen einen sagenumwobenen Minotaurus. Eine Kreatur, die Minos angeblich selbst bezwang und unter der Insel einkerkerte. Wem auch immer es gelänge das Monster zu bezwingen, dürfte seine Thronfolge antreten.
Sophia verfolgten die Injektionen des verseuchten Blutes bis in ihre Träume. Monster schossen aus schwarzen Tunneln mit goldverzierten leuchtenden Eingängen hervor. Sie rissen das junge Mädchen aus dem Schlaf, während die Macula-Infektion ihren Arm empor kroch. Zahllose andere Kinder starben in der Obhut der Ordens-Nonnen. Sophia blieb dieses Schicksal erspart. Denn eines Tages fand ihr Vater Alec sie. Mit Hilfe seiner rechten Hand Faro, setzte er den Nonnen des Klosters ein Ende.
Um ein Heilmittel gegen die Albträume seiner Tochter zu finden, brach Alec samt Faro zu Expeditionen auf. Mehrwöchige Forschungsreisen, die ihn in den Süden Griechenlands Richtung Kreta führten. Bereits im Kloster verewigte Sophia ihre Eindrücke in einem Buch. Ein Leitfaden, der Alec vor den düsteren Tunneln warnte und ihn sicher durch die Gefahren der Insel geleitete.
Im Verlauf dieser jahrelang anhaltenden Reisen wuchs Sophia im Versteck der Plünderer heran. Zunächst übte sie spaßeshalber Schwertkämpfe mit ihrem Vater. Dann trainierte sie Faro, gefolgt vom Kochlöffelschwingenden Ezra und schließlich lehrte Irene ihr die Todesstöße mit Dolchen. Ungeachtet seiner Schläue, forderte die Insel ihren Tribut von Alec. Unzählige Plünderer ließen im Verlauf der Jahre auf Kreta ihr Leben. Es schien beinahe, als sei die Insel verflucht. Viele verschrieben sie als eine Geisterinsel. Doch dann entdeckten Faro und Alec eines Tages einen Tunnel, weit hinab ins Innere Kretas. Aus den Tiefen dieses finsteren Ortes kehrte Alec nicht zurück. Ihren Männern berichtete Faro von einem Drachen auf der Insel. Denn ein Goldschatz bewachendes feuerspeiendes Ungetüm schien glaubhafter, als das was Faro wirklich dort unten sah. An dem Tag, als Faro die Führung der Plünderer übernahm, versprach er Sophia zu beschützen. Die finale Bitte Alecs.
Obwohl Faro Sophia lange Zeit als Mentor diente, ging es ihm weniger um deren Heilung, sondern vielmehr der Bergung der angeblichen Reichtümer König Minos. Das Monster der Insel dominierte ununterbrochen Sophias Träume. Es schien nach der jungen Frau zu rufen. Zu ihrem eigenen Schutz untersagte Faro ihr deshalb den Zugang zur Insel. Ein Umstand, der mit den Jahren einen Keil in ihre Beziehung trieb. Sophia gab vor, die Visionen würden verblassen und eines Tages komplett versiegen. Eine Lüge, die Faro nur frustrierter und aggressiver gedeihen ließ. Denn selbst nach einem Jahrzehnt der Suche, kamen die Plünderer nicht voran. Egal welche Tore oder Tunnel sie durchquerten, verhinderte ständig ein rundes Schloss ihr weiteres Vordringen. Dabei forderte jede Nacht auf der Insel ihre Opfer. Die Männer schützten sich mit Talismane, um nicht in der Finsternis vom Erdboden zu verschwinden. Irene, Faros erstem Maat, widerstrebte dieses ziellose Chaos langsam. Sie trauerte um ihre toten Kameraden, während Faro lediglich von der großen Beute träumte.
Sophia gedieh der ziellosen Schlüsselsuche mit den Jahren ebenso überdrüssig. Ständig durchkämmte sie auf Faros Befehl hin verlassene Wüstenruinen. Wäre Leni nicht mit 18 in ihr Leben gekommen, hätte Sophia die Plünderersiedlung längst hinter sich gelassen. Die ambitionierte rothaarige Diebin gab ihr Halt und die kleinen Gaunereien hielten sie bei Laune.
Endgültig änderte sich dann alles in der Karnevalsnacht. Faros Kontakte machten den begehrten Schlüssel in den Fängen der venezianischen Armee aus. Eine der führenden Seemächte 1333s. Der Plündereranführer nutzte den Deckmantel der Festlichkeiten für einen Raubzug. Irenes Sprengung des Pulverlagers am Rande der Meeresstadt sollte die Soldaten lange genug ablenken, damit Ezras Trupp den Schlüssel entwenden könnte. Wie gewohnt fiel Sophia die eher unnütze Rolle des Signalgebers zu. An Lenis Seite schlich sie maskiert durch die Menschenmassen Venedigs und signalisierte Irene den richtigen Augenblick. Doch gerade als Sophia ihren Dachposten verließ, überhörte sie das Gespräch einiger venezianischer Soldaten. Der Doge wusste vom geplanten Überfall! Ezra und der Rest von Sophias Freunden marschierte geradewegs in einen Hinterhalt. In Windeseile hechtete die junge Frau über die Dächer der Stadt. In der Hoffnung, Ezra rechtzeitig warnen zu können. Aber sie kam zu spät. Eingepfercht in eine ummauerte Anlegestelle des Hafens, schlachteten Soldaten die Diebesgruppe ab. Mit letzter Kraft gelang es Ezra die schweren Tore zu öffnen. Doch im selben Moment durchsiebten den stämmigen Koch Pfeile. Für Ezra kam jede Hilfe zu spät. Zu viert konnten sie die Armee nicht aufhalten. Mit seinen finalen Atemzügen befahl der Koch Sophia, die Truhe und damit den Schlüssel zu sichern.
So schloss die Schmugglerstochter in letzter Sekunde zum venezianischen Schiff auf, was die Truhe verlud. Aus dieser barg sie endlich den begehrten Schlüssel und obendrein ein Jahrtausende altes Amulett. Es verband Sophias Geist mit dem von Ariadne. Einer tapferen Kriegerin des kretominoischen Reichs. Verfolgt von Pfeilen entkam die Plünderin im Morgengrauen dank Lenis Hilfe.